Public-private-Partnership-Initiativen

Die Technologieinitiative „Brennstoffzellen und Wasserstoff“, kurz: FCH JTI, schreibt in jährlichen Arbeitsprogrammen Fördermöglichkeiten für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration im Bereich von Brennstoffzellen und Wasserstofftechnologien aus. Neben FCH JTI sind im Zeitraum von 2014 bis 2020 weitere 14 Public-private-Partnership-Initiativen aktiv. Einige haben einen besonderen Bezug zu Energiethemen, zum Beispiel EeB und SPIRE.

Technologieinitiative „Brennstoffzellen und Wasserstoff“

Quelle: TiaClara/iStock/thinkstock

Seit 2008 setzt die gemeinsame Technologieinitiative „Brennstoffzellen und Wasserstoff“ („Fuel Cell and Hydrogen Joint Technology Initiative“, kurz: FCH JTI) die EU-Forschungsförderung auf dem Gebiet der Brennstoffzellen und Wasserstofftechnologien um.

Bei der FCH JTI handelt es sich um eine institutionelle Public-private-Partnership: Die administrative Verwaltung der Initiative erfolgt durch eine eigene Agentur und nicht im Rahmen von Horizont 2020. FCH JTI finanziert Verbund- und Demonstrationsprojekte sowie Koordinierungs- und Unterstützungsaktivitäten im Sinne der Europäischen Kooperation. Das vorgesehene Budget für den Zeitraum von 2014 bis 2020 beträgt 1,33 Milliarden Euro. Die zweckgebundene EU-Förderung in Höhe von maximal 700 Millionen Euro, einschließlich der Mittel der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA), zur Deckung der Verwaltungskosten und der operativen Kosten wird gedeckt aus Mitteln für die Gesellschaftlichen Herausforderungen „Sichere, saubere und effiziente Energie“ und „Intelligenter, umweltfreundlicher und integrierter Verkehr“ des EU-Rahmenprogramms Horizont 2020. Gemeinsam finanzieren die EU und die beteiligten Partner aus Industrie und Forschung die Forschungstätigkeiten. Dabei leistet die EU einen Finanzbeitrag, die anderen Mitglieder erbringen ihren Beitrag durch Sachleistungen.

Die Aktivitäten und Ausschreibungen der FCH JTI konzentrieren sich auf zwei Säulen:

  • Innovationssäule 1: FCH Technologien für Transport
  • Innovationssäule 2: FCH Technologien für Energie Systeme

Speichertechnologien, die auf Wasserstoff basieren, sind zum Leitmotiv der Aktivitäten erklärt worden.

Unter dem 7. Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Kommission ist für Verwaltungsaufgaben im Rahmen der FCH JTI eine unabhängige Agentur  gegründet worden (Joint Undertaking, FCH JU). Im Kontext des nachfolgenden Rahmenprogramms „Horizont 2020“ wurde die Initiative für FCH mit der Agentur FCH 2 JU neu aufgelegt. Die Agentur FCH 2 JU untersteht einem zehnköpfigen Verwaltungsrat, der aus drei Vertretern der Europäischen Kommission, sechs Vertretern des Industriesektors (Hydrogen Europe) und einem Vertreter der Forschungsgemeinschaft besteht (Hydrogen Europe - Research). Dabei vereinigen die Vertreter der Europäischen-Kommission bei Abstimmungen einen Stimmanteil von 50 Prozent auf sich. Die Leitung der Geschäfte und des laufenden Betriebs obliegen einem Exekutivdirektor, der von einem in Brüssel angesiedelten Programmbüro unterstützt wird. Eine Gruppe von Vertretern der Mitgliedstaaten und ein wissenschaftlicher Ausschuss aus hochrangigen Sachverständigen beraten den Verwaltungsrat. Ein jährlich stattfindendes Stakeholder-Forum der Akteure bietet Informationen über laufende und künftige Aktivitäten.

Zu den strategischen Hauptzielen der FCH JTI gehören:

  • Stärkung des Anteils von Brennstoffzellen und Wasserstofftechnologien an einem nachhaltigen, kohlenstoffarmen Energie- und Verkehrssystem
  • Förderung des Einsatzes integrierter Lösungen in diesen Sektoren
  • Sicherung einer weltweit führenden und wettbewerbsfähigen europäischen Brennstoffzellen- und Wasserstoffindustrie, ihr integratives Wachstum und die Steigerung und Sicherung ihrer Arbeitsplätze.

Im Einzelnen werden folgende technisch-wirtschaftliche Ziele verfolgt:

  • Reduktion der Produktionskosten bei gleichzeitiger Steigerung der Lebensdauer für Brennstoffzellen in Fahrzeuganwendungen
  • Steigerung des elektrischen Wirkungsgrads und der Haltbarkeit von Brennstoffzellen, die für die Stromproduktion eingesetzt werden, bei gleichzeitiger Kostenreduktion
  • Steigerung der Energieeffizienz bei der Produktion von Wasserstoff aus Wasserelektrolyse und erneuerbaren Energien
  • Reduktion der Investitions- und Betriebskosten mit dem Ziel, die Produktion von Wasserstoff und die Umwandlung in elektrische Energie wettbewerbsfähig zu machen
  • Demonstration der Nutzung von Wasserstoff zur Unterstützung der Integration erneuerbarer Energien in die Energiesysteme, unter anderem durch den Einsatz als wettbewerbsfähiges Speichermedium für Strom aus erneuerbaren Energien
  • Reduktion des Gebrauchs von „kritischen Rohstoffen“ nach EU-Definition durch die Verwendung von Rohstoffen ohne Platin und Recycling oder die Reduktion bzw. Vermeidung Seltener Erden.

Förderthemen im Arbeitsprogramm der FCH JTI

Das Arbeitsprogramm der FCH JTI wird unabhängig von den Arbeitsprogrammen in Horizont 2020 jährlich veröffentlicht, in der Regel im Januar eines Jahres. Thematisch teilt sich das Arbeitsprogramm in die zwei Aktionsfelder „Transport“ und „Energie“ auf und wird durch übergeordnete Themen und Querschnittsaspekte ergänzt.

Themenbereich Transport:

  • Anwendungen für Straßenfahrzeuge
  • Versorgungsinfrastruktur – Wasserstofftankstellen
  • Anwendungen für mobile Arbeitsmaschinen
  • Anwendungen für Luft-, Wasser- und Schienenfahrzeuge

Themenbereich Energie:

  • Verwendung von erneuerbaren Energien zur Wasserstoffproduktion
  • CO2-neutrale Wasserstoffproduktion
  • Einsatz von Brennstoffzellen in der Kraftwärmekopplung
  • Speicherung und Verteilung von Wasserstoff

Querschnittsaspekte und übergeordnete Themen:

  • Training, Wissensmanagement
  • Risiko- und Sicherheitsaspekte
  • Gesellschaftliche Aspekte

Arbeitsprogramm 2017:

Weitere Public-private-Partnership-Initiativen in Horizont 2020

Neben FCH JTI sind im Zeitraum von 2014 bis 2020 weitere 14 Public-private-Partnership-Initiativen aktiv. Die Finanzierung des öffentlichen Anteils dieser „PPP“-Initiativen erfolgt weitgehend aus dem Haushalt des 8. EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation, Horizont 2020. Der EU-Beitrag von neun Milliarden Euro sichert Investitionen in Höhe von zehn Milliarden Euro des privaten Sektors (in-kind) und vier Milliarden Euro an Zuschüssen durch die EU-Mitgliedstaaten. Es wird unterschieden zwischen PPP-Initiativen, die ohne eigene Verwaltungsstrukturen im Rahmen von Horizont 2020 abgewickelt werden (contractual PPPs, kurz cPPPs) und denjenigen, die eigene Agenturen besitzen (institutional PPPs oder Joint Technology Initiatives, kurz JTIs).

Besonderen Bezug zu Energiethemen haben folgende cPPP-Initiativen:

  • Energy efficient BuildingsEeB, für energieeffiziente Gebäude: Budget zirka 600 Millionen Euro
  • European Green Vehicles InitiativeEGVI, für energieeffizienten Straßenverkehr: Budget zirka 750 Millionen Euro
  • Factories of the FutureFoF, für die Fabrik der Zukunft: Budget zirka 1,15 Milliarden Euro
  • Sustainable Process IndustrySPIRE, für nachhaltige Wirtschaft durch Ressourcen- und Energieeffizienz: Budget zirka 900 Millionen Euro.

Zudem hat die institutional PPP Bio-based IndustriesBBI JU, für den Themenbereich Biokraftstoffe mit einem Budget von 3,7 Milliarden Euro ebenfalls einen Energiebezug.

Die jeweiligen zur Verfügung stehenden Budgets werden durch entsprechende Arbeitsprogramme definiert.

Das Netzwerk der Nationalen Kontaktstellen (NKS) der Bundesregierung unterstützt deutsche Interessenten bei Fragen zur Antragstellung. Neben der NKS Energie bieten für ergänzende Themen weitere Netzwerkpartner ihren Service an.

Zur Identifizierung der zuständigen Beratungseinrichtungen steht Ihnen eine von der NKS Werkstoffe erstellte interaktive Suche zur Verfügung.

Dr. Piotr Swiatek

02461 61-1848
p.swiatek@fz-juelich.de

Simon Serowy

02461 61-1846
s.serowy@fz-juelich.de